Exkursion nach Liège

Liège – 115 Mädchen und fünf Lehrer auf großer Fahrt nach Wallonien

Einer Herseler Tradition folgend entschied sich die Fachschaft Französisch auch dieses Jahr wieder dazu, eine Exkursion nach Liège in Belgien anzubieten, um den Französischschülerinnen der Mittelstufe einmal zu zeigen, wie nah unsere französischsprechenden Nachbarn wohnen und wie leicht es ist, die Französischkenntnisse aus der Schule auch mit waschechten Muttersprachlern anzuwenden.
Der logistische Aufwand für eine Exkursion mit sechs Differenzierungskursen ist natürlich hoch. Zwei Wochen vor der großen Fahrt hagelte es Infozettel für alle beteiligten Lehrer, die Mädchen und natürlich auch für die Eltern.
Am 6. Juli 2010 war es endlich so weit und wir konnten in zwei sehr schicken Reisebussen (einige hatten Glück und konnten sogar im Doppeldecker mitfahren) losfahren.
Beide Busfahrer waren sehr freundlich und lustig. Die Mädchen im großen Bus allerdings erlitten an der Grenze einen kleinen Schrecken, als der Busfahrer darum bat, die Personalausweise für den Grenzübergang bereit zu halten. Direkt bildete sich eine Schlange bei Frau Wiesmann, Frau Lindner und Frau Habeck: „Das haben Sie uns nicht gesagt, wir haben jetzt gar keinen Ausweis dabei, nur den Schülerausweis.“
Der Busfahrer beruhigte: „Das macht nichts. Wir machen heute den schnellen Grenzübergang: Wer seinen Ausweis dabei hat, hält ihn auf mein Kommando links ans Fenster. Wer keinen Ausweis dabei hat, legt sich flach auf den Gang oder versteckt sich zwischen den Sitzbänken oder auf der Toilette.“  Einige Mädchen waren skeptisch, andere befolgten den Rat des Busfahrers und versteckten sich schleunigst. Beim Passieren der Grenze wurde dann vielen klar, dass sie dem Busfahrer offensichtlich auf den Leim gegangen waren. Als er das schließlich auch noch bekanntgab, war das Gelächter groß. „Wusste ich‘s doch, ich bin hier schon öfter über die Grenze gefahren und musste noch nie meinen Ausweis zeigen“, meinte eine Schülerin.

Die Fahrt ging ohne weitere Zwischenfälle zügig weiter und pünktlich um viertel nach zehn standen die 115 Mädchen und ihre Begleiter vorm Office de tourisme in Liège. 20 Minuten hatte jeder Zeit, sich kurz frisch zu machen, bis schließlich die vier Stadtführerinnen und Stadtführer kamen. In 30er Gruppen spazierten wir fröhlich durch Liège und erfuhren teils auf Französisch, teils auf Deutsch von den Geheimnissen der Stadt. Dass beispielsweise die riesige Treppe zur Montagne de Bueren  1874 deshalb erbaut wurde, damit die Soldaten der oben auf dem Berg liegenden Kaserne nicht mehr durch die Obsthänge der Anwohner wilderten, sondern einen direkten Zugang zur Stadt bekamen. Am Fuße dieser Treppe steht übrigens außerdem ein Ursulinenkloster, was den Mädchen natürlich sofort auffiel. Vorbei am Palais des Princes-Évêques, dem Perron Liégeois und dem Palais Curtius lernten wir so einiges über die Geschichte und die Architektur der Stadt, zum Beispiel auch, dass die Collégiale St. Barthélemy eine Art Zwilling in Deutschland hat, nämlich den Dom in Limburg an der Lahn.  Wenn man bei den ausführlichen Schilderungen der Stadtführerinnen und Stadtführer, die übrigens extra für uns langsam und deutlich sprachen, dennoch einmal etwas nicht verstanden hatte, konnte man getrost nachfragen und erhielt eine zusätzliche Erklärung auf der Sprache seiner Wahl.
Schließlich sollten die Mädchen aber auch ein wenig Zeit haben, die Stadt selbstständig zu erkunden. Kurzerhand wurden Stadtpläne und Stadtrallye-Zettel verteilt, und die Ladies machten sich auf den Weg, bei blauem Himmel und Sonnenschein etwas zu Mittag zu essen und fünf kniffelige Aufgaben zu lösen. In Gruppen von mindestens drei und höchstens fünf Schülerinnen galt es, herauszufinden, in welchem architektonischen Stil die Cathédrale Saint Paul de Liège erbaut wurde und welche Farbe ihr Fußboden hat. Die nächste Aufgabe bestand darin, den Preis eines bezaubernden französischen Parfums in einer Parfümerie zu erfragen und als Beweis einen Test-Duftstreifen mitzubringen. Klar, dass man hier taktisch vorgehen musste, denn keine Parfümerie freut sich über eine Invasion von 115 Mädchen gleichzeitig.
Dann musste man noch den Weg zum Delhaize, einem belgischen Supermarkt, erfragen, um da herauszufinden, wie die „Chocotoffs“ bei uns in Deutschland heißen.
Schließlich galt es noch, ein Interview mit einem echten Liègeois durchzuführen und sie oder ihn zu befragen, ob sie oder er eher Belgier, eher Wallone oder eher Europäer ist.
Die Aufgabe, für die man am meisten Mut aufwenden musste, war sicherlich die letzte: Hier musste jede Gruppe einen von den Lehrern zur Verfügung gestellten Bleistift mit einem Einwohner gegen einen anderen, möglichst höherwertigen Gegenstand eintauschen. Herrlich! Am Ende kamen die Gruppen mit einer Kiwi, mit Lippenstift, Cremepröbchen, Dollarscheinen, einem alten Handy, einem Fingerring und vielen weiteren unglaublichen Gegenständen zurück, die sie haben eintauschen können.
Tja, und dann ging es auch schonwieder zurück nach Hersel, staufrei im klimatisierten Bus, und pünktlich um 18 Uhr war unsere schöne Exkursion nach Liège vorbei.
Alles hat prima funktioniert und es hat viel Spaß gemacht!
Zum Abschluss noch ein paar Schülerinnenzitate, die Frau Anlauff gesammelt hat:

  • „Die Rallye war sehr schön und so hat man sehr viel über Lüttich gelernt. Jetzt wissen wir etwas über den Dom und können uns auch ein bisschen besser auf Französisch verständigen.“

  • „Das Interview war auch sehr cool. Einfach irgendwelche Leute ansprechen und sie etwas fragen. Das war sehr toll.“

  • „Ich fand den Ausflug nach Lüttich super. Die Busfahrt war superwitzig!“

  • „Die in dem Ausflug eingeplante Freizeit und Rallye war super, da man so die Stadt selber erkunden konnte.“

  • „Ich fand den Ausflug nach Liège schön. Am besten war meiner Meinung nach die Rallye, da man von sich aus auf die Leute zugehen und sie ansprechen musste. Außerdem hatte man keine Lehrer, die das alles für einen geklärt haben (Essen kaufen, Weg suchen), sondern musste selbst zurechtkommen.“

  • „Ich fand die Fahrt nach Lüttich sehr schön. […] Die Busreise war bequem und nicht zu lang. Als wir ankamen, machten wir eine Führung, die eigentlich schön war. Doch wir mussten sehr viele Stufen laufen, was nicht ganz so angenehm war. Danach durften wir ja zu dritt alleine rumlaufen! Das war echt schön!“

  • „Ich fand den Ausflug nach Liège sehr toll, es hat Riesenspaß gemacht.“

In diesem Sinne freuen wir uns schon auf den Ausflug nach Liège in 2011!

Christiane Habeck, Referendarin für Französisch und Spanisch

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