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Angela-Preis

Ansprache des Schulleiters zur Verleihung 2012

Sr Paula

Liebe Sr. Paula, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe ehemalige Preisträgerinnen, liebe Schülerinnen der Klassen 9!

 

Heute treffen wir uns hier – ‘mal wieder –  wegen Angela!

Was bedeutet uns Angela? Wer war, wer ist Angela?

Wann haben wir uns zuletzt mit ihr befasst?

Was verbirgt sich hinter dem seit 1996 jährlich immer wieder verliehenen Angela-Preis der Ursulinenschule Hersel?

 Ich will gemeinsam mit Euch versuchen, einige Antworten auf diese Fragen zu finden.

Vielleicht erinnert Ihr Euch an den Herbst 2010, damals in der Klasse 8.

KühlingWir hatten Projekt-Tage, eine bunte Veranstaltung, Unterrichtstage einmal anders – als Abschluss zahlreiche Präsentationen, manche noch heute auf dem Gelände sichtbar.

Neben anderem stand Angela, genauer Angela Merici, im Mittelpunkt vieler Aktivitäten. Damals gab es auch ein Jubiläum zu feiern: Der Ursulinen-Orden, das Fundament, auf dem auch unsere Schule hier in Hersel vor 160 Jahren gegründet wurde, feierte seine Gründung, die vor 475 Jahren (genau genommen am 25.11.1535) in Oberitalien durch unsere Angela und 28 Gefährtinnen als „Compania di Sant’Orsola“ erfolgte.

Was ist nun das Besondere, das uns heute mit Angela verbindet? Wie hat sie damals die Menschen bewegt, warum wurde sie so hoch geachtet, von bedeutenden Personen um Rat gefragt?

In dieser Biographie (Anne Conrad: Mit Klugheit, Mut und Zuversicht, Leutesdorf 2003) habe ich einige Anhaltspunkte gefunden: Die Autorin sieht in der Lebensgeschichte Angela Mericis „ein Stück bisher kaum wahrgenommener Frauengeschichte“. Und sie kommt zu einer Wertung, die aufhorchen lässt: Es sei die „Geschichte einer religiösen und zugleich weltoffenen Frau“.  Angela Merici ist die erste Frau in der Kirchengeschichte, die eine Ordensregel verfasst hat. In dieser Ordensregel ist manches genauso, wie es in allen anderen geistlichen Gemeinschaften gelebt wird. So gelten z. B. die drei „Evangelischen Räte“, d. h. die Verpflichtung der Ordensfrauen zu Keuschheit, Armut und Gehorsam. Aber es gibt auch gravierende Unterschiede in der Regel, die Angela verfasst hat: so findet man kaum detaillierte Vorschriften, sondern sie erwartet von den Mädchen und Frauen „eine eigenverantwortliche und selbständige Haltung“.

Immer wieder ist zu hören und zu lesen über Angela Merici, dass es gibt zwei Bereiche gebe, die sie verkörperte: 1. Eine feste religiöse Bindung an Jesus Christus und 2. Weltoffenheit, eine für damalige Verhältnisse ungeheure Offenheit gegenüber allen Mädchen und Frauen, denen sie begegnete und denen sie half, gerade schwierige Lebenslagen zu meistern.

Weltoffenheit :  Was verstehen wir darunter? Was bedeutet es, wenn jemand offen in der Welt handelt, offen für die Menschen ist?

Was ist denn unsere Welt? Nehmen wir drei Beispiele für das Geschehen in der heutigen Welt:

1.      Das erste Beispiel – weit weg von unserem Leben: Schauen wir auf die Welt, wie sie uns in den Nachrichten der letzten Tage gespiegelt wird. Wir erkennen große Konflikte, die das Geschehen beherrschen. Ein Jahr nach den Volksrebellionen im arabischen Raum erhoffen viele Völker für sich Freiheit und Selbstbestimmung. Aktuell liegt der Fokus auf dem Land Syrien. Die größte Welt-Organisation der Staaten, die UN, versucht, mit dem dortigen Herrscher, einem „Tyrannen und Despoten, der sein eigenes Volk umbringen lässt“ – so sagen die meisten –, fertig zu werden. Alte Gräben zwischen den Mächten dieser Welt werden offenbar: Russland und China verweigern sich einer Resolution und helfenden Maßnahmen, die übrige Welt ist schockiert (Obama) und empört sich. Wir, als Beobachter, schütteln den Kopf und können nur schwer verstehen, was hier geschieht und wie viel Leid dort erduldet wird.

2.      Das zweite Beispiel: etwas näher bei uns: Wie sieht es in unserem Land aus? Eine Krise jagt die andere, Verständigungen und Gemeinsamkeiten erscheinen oft unmöglich. Es etablieren sich neue Verhaltensregeln, neue Muster, neue Machtverhältnisse.  Lasst mich einen Ausspruch herausgreifen, das deutlich macht, in welche Richtung es geht: Bei einer Veranstaltung für junge Menschen, die sich im Bereich Medien ausbilden, werden ein Vortrag und eine anschließende Diskussion mit einflussreichen Medienvertretern veranstaltet. Als er danach gefragt wird, wie sein Beruf, der Beruf des Journalisten,  funktioniere, sagt der Chef der größten Boulevard-Zeitung:  Wir //: „Journalisten leben mit dem Geschäft der Indiskretion.“://

Liebe Schülerinnen, Indiskretion bedeutet Vertrauensbruch. Das Satz deutet also an: In unserer Branche ist das Geschäft mit dem Vertrauensbruch das Normale… Das muss man gar nicht weiter kommentieren. Wir, als Beobachter, schütteln den Kopf…

3.      Ein drittes Beispiel, jetzt geht es um unsere direkte Umgebung, unsere Welt: Hier bitte ich Euch alle, einmal darüber nachzudenken, welches Verhalten Euch in der letzten Zeit, in den letzten Tagen begegnet ist: in der Klasse, auf der Straße, im Bus, in der Familie, mit Freundinnen und Freunden. Wie oft ist es dabei passiert, das Ihr gedacht habt: „Das geht aber gar nicht!“? Wie oft habt Ihr Euch innerlich zurückgezogen, oder abgewandt von Verhalten, Äußerungen, Umgangsformen anderer? Wie oft empfandet Ihr diese Welt als abstoßend?

Ihr könnt jetzt sagen: Aber die Welt ist doch gar nicht so schlecht, es gibt doch auch viel Schönes, Gutes, Harmonisches! Und genau damit habt Ihr recht. Diese guten Seiten der Welt dürfen wir nicht vergessen. Und wenn nun Angela Merici weltoffen genannt wird, so liegt in dieser Einschätzung eine besondere Wertschätzung: Angela ist von vielen Menschen besucht worden und um Rat gefragt worden; diese hat sie in ihrer Welt beraten und dabei einen Maßstab für alles Handeln ausgemacht: die Liebe! Sie riet dazu, „vorsichtig zu urteilen“, „alles mit größter Güte zu tun“, „mit gutem Rat und reiflicher Überlegung“ zu handeln.

Dabei betont Angela die Selbständigkeit. Ein Satz hat mir besonders gefallen. Hier zitiert sie den Kirchenlehrer Augustinus: „Ama et fac quod vis“ – „Liebe, und tue, was Du willst“. Darin steckt ein großes Vertrauen: Wenn man aus Liebe handelt, „wenn die Liebe die Grundlage und der Maßstab des Tuns ist, kann der Mensch nicht fehlgehen.“

PreisträgerinnenWenn wir heute den Angela-Preis verleihen, dann auch deshalb, damit wir uns an dieser Frau und ihren Maßstäben orientieren. Dazu gehört, dass diejenigen, die heute mit dem Preis ausgezeichneten werden, beispielhaft für Euch alle stehen. Dabei sind drei Kriterien zu bedenken, nach denen der Preis vergeben werden soll und die ausgezeichnet werden sollen:

 1.      Besondere schulische Leistungen;

2.   Außergewöhnliches Engagement innerhalb der Klasse oder für die Schulgemeinschaft, oder

3.   aufgrund einer ungewöhnlich positiven  Entwicklung im persönlichen Bereich.

 Ich kann mir vorstellen, dass es gelegentlich ziemlich schwierig ist, aus einer Klasse eine zu benennen, weil es vielleicht mehrere oder gar viele gibt, die in Frage kämen, dass nicht jedes der drei Kriterien bei jeder Entscheidung zum Tragen kommt. Aber ich weiß, dass sich diejenigen, die dies entscheiden müssen, sorgfältig beraten haben. Deshalb sage ich hierfür: Danke!  Manchmal bitten Euch die Lehrer um Hilfe bei dieser Entscheidung. Für Euch, die Ihr mittendrin steckt, ist das sicherlich auch keine leichte Frage, denn Beliebtheit allein ist ja nicht das Kriterium.

Ich danke der Stifterin dieses Preises, die mit Ihrer Stiftung dafür Sorge trägt, dass wir uns – wenigstens einmal im Jahr – an diese bedeutende Frau erinnern. So freue ich mich heute mit Euch allen, dass es diesen Preis gibt und dass er für uns alle Ansporn ist. Ich freue mich mit den Preisträgerinnen, dass sie von den Konferenzen Eurer Lehrerinnen und Lehrer gewählt wurden, und sage gern: Herzliche Gratulation!

                 Abschlussfoto

Und nun noch eine Information zum jährlichenTermin der Preis-Vergabe: er liegt zeitlich möglichst nahe zum Tag des Namensfestes der Heiligen Angela Merici. Seit 1807 feiert die Kirche am 27. Januar dieses Namensfest der Heiligen Angela Merici, es ist – wie bei den meisten Namensfesten – der Todestag der Heiligen. Angela Merici starb im Alter von 65 oder 70 Jahren am 27. Januar 1540  in der Stadt Brescia. Unsere Halbjahrs-Zeugnisse werden ja meist Ende Januar ausgegeben, also ergab es sich, beides miteinander zu verbinden.

Der Angela-Preis mitten im Schuljahr, ja so mitten im Schulleben, das ist also kein Preis wie ein Abschluss-Ranking, sondern es ist der richtige Impuls für die nächste Zeit, für den weiteren Weg, auch den Weg hier in der Ursulinenschule; ein Impuls für die Preisträgerinnen, aber auch ein Impuls für Euch alle.

 Nun möchte ich noch sehr herzlich danken:

Dank an den Chor der Mittelstufe und Frau Plate für die fröhliche und abwechslungsreiche Musik, die unserer Feier besonders guttut.

 Dank an die Koordinatorin, die alles rund um diese Feier zusammengetragen hat: Danke, Frau Liefländer! 

Dr. Karl Kühling     10. Februar 2012 

 

 Bilder im Überblick finden Sie >> hier!

 

 

 

 

 

 

 

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